No TCPA !

Stop TCPA

" Freiheit, hat sie erst einmal Wurzeln geschlagen, ist eine Pflanze, die sehr schnell wächst. "

George Washington, 1. Präsident der USA

  1. Die TCPA - ihre Ziele und Technologien
  2. Aspekte zu TCPA, Computer und Internet
  3. Meine Meinung
  4. Ergänzende Grafiken
  5. Internet und Evolution
  6. Schlußbetrachtungen

TopBottom

Materiell gebundene Information


Infografik 1


Die Alte Welt

Bei der klassischen Verteilung von Information werden materielle Informationsträger hergestellt, verteilt und transportiert. Dies ist i.d.R. mit erheblichem finanziellen und materiellen Aufwand verbunden, welcher die Möglichkeiten eines einzelnen Urhebers zumeist übersteigt.

Das Copyright macht hier Sinn. Es verhindert, daß Werke gleichzeitig von mehreren Verlagen vervielfältigt werden. Ein Verlag kann sich sicher sein, nicht von einem anderen Verlag verdrängt zu werden. Ohne das Copyright würde wohl kaum ein Verlag das Risiko des Aufwands einer materiellen Produktion eingehen.

Das Copyright trägt hier also förderlich zur Verbreitung von Informationen bei. Es entstand in Folge von technischen Erfindungen, wie z.B. des Buchdrucks.

Allerdings beinhaltet das Copyright auch das Recht, ein Werk nicht zu veröffentlichen. Nicht wenige geschützte Werke werden von den Rechteverwertern zurückgehalten, um den mit anderen Werken erzielten Profit nicht zu gefährden, oder weil die Auflage zu gering wäre, als daß sich damit etwas verdienen ließe. So sind viele Werke zwar "in der Welt", aber auf dem Markt leider nicht erhältich. Computer und Internet könnten hier leicht Abhilfe schaffen, wenn das Copyright in Bezug auf diese Technologien abgeschafft würde.

TopBottom

Materiell ungebundene Information


Infografik 2


Die Neue Welt

Computer und Internet machen eine materielle Voraus-Produktion, wie überhaupt jede materielle Produktion von Kopien überflüssig. Es genügt der Upload einer einzigen digitalen Datei, um das Werk global verfügbar zu machen. Diesen vergleichsweise sehr geringen Aufwand kann der Urheber selbst übernehmen.

Es muß also kein Copyright mehr an Verlage vergeben werden, um (digitale) Informationen zu verbreiten. Zugleich werden Informationen über das Internet - ohne den Aufwand eines materiellen Transports - weit effektiver verbreitet. Die Kopien produzieren sich die Konsumenten per Download je nach Bedarf selbst, und zwar ohne Qualitätsverlust und genau in der Menge, in der sie benötigt werden.

Zu berücksichtigen ist, dass ein Konsument nun dieselben Möglichkeiten wie ein Urheber hat. Er kann sein "Werk" - von welcher Qualität es auch immer sein mag - ebenso einfach veröffentlichen.

TopBottom

Kontrollierte Information


Infografik 3


Übernahme der Alten Welt in die Neue Welt

In diesem "TCPA-Szenario" besteht die Aufgabe der "Rechteverwertung" lediglich im Hinzufügen und Kontrollieren des digitalen Kopierschutzes. Die aus der materiellen Welt gewohnten Hürden zur Herstellung einer Kopie sollen so künstlich in die digitale Welt übertragen werden. Ansonsten findet seitens der Rechteverwerter eine - vergütenswerte - Produktion von (materiellen) Kopien nicht mehr statt.

Es sollte deutlich werden, wie unsinnig die TCPA-Technologien im Zeitalter von Computer und Internet sind. Das Copyright fördert hier nicht mehr die Verbreitung von Information, sondern es steht be- und verhindernd im Weg.

Anders betrachtet:
Die technische Entwicklung brachte einst das Copyright hervor; heute muß ihr Fortschreiten das Copyright wieder abschaffen.
 

" Das Recht auf geistiges Eigentum war niemals das Recht auf Kontrolle. ...
Genau das ist die Gefahr für unsere Kultur: Weil große Teile unseres kulturellen Schaffens in den Cyberspace transferiert werden, wird Kultur gesteuert und überwacht.
"
Lawrence Lessig, Verfassungsrechtler und Cyberlaw-Experte, Harvard Universität

TopBottom

Freie Information


Infografik 4


Entfaltung der Neuen Welt

Diese Möglichkeit - von der wir eigentlich nicht so weit entfernt sind - ist in meinen Augen erstrebenswert. Sie würde viele Vorteile für die Menschheit bringen, wie z.B. die einfache und kostengünstige Verbreitung von Wissen und Know How, welches in vielen Teilen der Welt dringend benötigt wird. Es kann nicht sein, daß jemand allein deswegen nicht an extrem preiswert reproduzierbare Informationen gelangt, weil er möglicherweise kein Geld hat, um einen künstlich hoch gehaltenen Preis zu bezahlen.

Allerdings erfordert diese Möglichkeit wache und aufgeklärte Menschen. Hierzu kann aber ein freies Internet erheblich beitragen.

Zu berücksichtigen ist, wie mit einem Urheber umgegangen wird, der ein bedeutendes Werk erbracht hat. Es muß gewährleistet sein, dass dieser ohne materielle Not an seiner Sache frei weiter arbeiten kann.

Schon heute gibt es in vielen Bereichen Sponsoren oder "Fan-Clubs". Dies ist auch künftig denkbar, um Urheber zu unterstützen.

Zu berücksichtigen ist aber auch, dass Informationen für Menschen je unterschiedlichen Wert haben. Den Einen hat ein Werk möglicherweise stark bereichert, dem Anderen sagt es vielleicht nur wenig. Hier wären individuelle Preise denkbar, die der Konsument auf Basis von Fairness und individuellem Einkommen selbst bestimmt und freiwillig bezahlt.

Letztlich ist es eine Frage der Haltung und Kultur. Diese müssen wir für die neuen technischen Möglichkeiten ebenso neu entwickeln.

TopBottom

Anmerkung zum Urheberrecht

Ich bin kein Jurist, aber ich möchte dennoch auf den Werkbegriff und auf die Werkverbreitung in Zusammenhang mit den neuen informationellen Möglichkeiten aufmerksam machen.


Werkbegriff

Das deutsche Urheberrechtsgesetz - aus dem Jahre 1965 - unterscheidet unter Anderem zwischen "Sprachwerken", "Werken der Musik", "Lichtbildwerken", "Filmwerken", "Zeichnungen, Plänen" usw. Es geht damit exakt auf die Techniken ein, die zu diesem Zeitpunkt Gültigkeit hatten, und die damals für die Vervielfältigung und Verbreitung von Informationen verwendet wurden, nämlich Buch und Buchdruck, Tonträger und LP, Foto und Dia, Film und Kino, Lichtpausen u.a..

In der digitalen Virtualität von Computer und Internet gibt es jedoch nur noch die "digitale Datei", die Informationen aller Art enthalten kann. Dies können sowohl visuelle (Text, Bild, Film, Zeichnung u.a.), als auch akustische (Musik, Sprache, Geräusche u.a.) oder rein für Maschinen (Computer) bestimmte Informationen sein. Es sind beliebige Kombinationen möglich. Wir benötigen zwar jeweils unterschiedliche Ausgabegeräte und nehmen die Informationen z.B. per Auge und Ohr auch unterschiedlich wahr, aber aus technischer Sicht sind sie praktisch identisch. Sie bestehen immer wieder aus immateriellen Bits und Bytes.

Das im Computerbereich gängige Schlagwort "Multimedia" ist so gesehen falsch. Tatsächlich handelt es sich nur um ein einziges "Medium", eben die immaterielle digitale Datei. Die materiellen Werk-Unterscheidungen des Urheberrechts werden im Bereich der digitalen Virtualität hinfällig.

Für digitale Dateien, und damit für sämtliche digitalen und digitalisierten Informationen, gelten völlig andere und neue technische Bedingungen. Die materiellen Grenzen und Beschränkungen sind aufgehoben. Die neuen Techniken ermöglichen die einfache, schnelle und beliebige Erstellung, Bearbeitung, Verbreitung, Vervielfäligung und Wiedergabe von digitalen Informationen aller Art, und das für jeden, der einen Computer besitzt. Die Vorgehensweise ist dabei per Programm erzeugter oder bearbeiteter digitaler Datei immer wieder gleich.

Das Urheberrecht geht nicht wirklich auf diese neuen Möglichkeiten ein. Lediglich "Computerprogramme" wurden als "Sprachwerk" neu mit aufgenommen. Ansonsten spricht das Urheberrecht nur pauschal von "elektronischen Mitteln", mit deren Hilfe eben "Sprach-, Musik, Lichtbild- und Filmwerke" u.a. übertragen würden. Es verbleibt gedanklich in den alten Kategorien und es entsteht der Eindruck, dass der Gesetzgeber - auch auf der EU-Ebene - noch gar nicht die neue Technik an sich, sowie ihre Folgen, Tragweite und (positiven neuen) Möglichkeiten erkannt hat.


Werkverbreitung

Das Urheberrecht spricht dem Urheber das "Vervielfältigungsrecht", das "Wiedergaberecht", und das "Verbreitungsrecht" für sein Werk zu. Im Prinzip ist das ja auch gut und richtig.

Ein digitales oder digitalisiertes Werk ist aber per Upload einer einzigen digitalen Datei praktisch umgehend global "verbreitet", "vervielfältigt" und "wiedergegeben". Wie oft es dann tatsächlich "vervielfältigt" und "wiedergegeben" wird, läßt sich derzeit kaum überprüfen.

Es besteht also der - zunächst verständliche - Wunsch, hier eine gewisse Kontrolle zu ermöglichen. Das neue Urheberrecht berücksichtigt dies, indem es Kopierschutztechnologien unter gesetzlichen Schutz stellt.

Aber jede auch nur halbwegs effektive Kontrolle greift im Internet nur, wenn zugleich die Nutzungsmöglichkeiten von Computer und Internet, und damit auch die Freiheit des Nutzers erheblich eingeschränkt werden. Diese Einschränkung, also die Be- und Verhinderung von Information, kann jedoch kaum im Sinne einer angestrebten "Informationsgesellschaft" sein, ganz zu schweigen von der Beeinträchtigung einer Reihe von (Grund-) Rechten.

Zudem wissen wir inzwischen intuitiv um der neuen informationellen Möglichkeiten. Die alten materiellen Hürden sind aufgehoben und jede künstliche Einschränkung wird für eine Mehrheit nicht mehr nachvollziehbar sein.

Letztlich bleibt nur die Variante, die Urheberschaft auf Basis von Einsicht und Freiwilligkeit zu stärken, nicht aber auf Basis von technisch erzwungener Kontrolle und künstlicher Einschränkung von technischen Möglichkeiten. Etwas, was aus innerer Überzeugung von einer Mehrheit mitgetragen wird, wird immer erfolgreicher sein, als jedes Andere.

Ich selbst z.B. betätige mich an dieser Stelle ja ebenfalls als "Urheber", und sollte eigentlich ein Interesse an meinen Rechten haben. Allerdings habe ich mittlerweile schon so viele Vorteile über das - offene und freie - Internet erfahren, daß ich umgekehrt gern bereit bin, - freiwillig - etwas zurück zu geben.

Das "Grünbuch der Europäischen Kommission vom 27. Juli 1995" schreibt ahnungsvoll und sehr treffend, wenngleich es wohl anders gemeint war:

" Zweifelsohne werden Rechtsvorschriften geändert werden müssen, um den neuen und vielfältigen Herausforderungen, die sich in noch nicht bekanntem Ausmaß stellen können, gerecht zu werden. Hierzu zählt u.a. die Anpassung der Regelungen zum geistigen Eigentum. "
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l24152.htm

In Anbetracht, daß nicht nur die Möglichkeiten und Verbreitung von Computer und Internet, sondern daß ganz allgemein die Techniken für die Information und Kommunikation dramatisch zunehmen, muß der Begriff des "Geistigen Eigentums" neu überdacht werden. Wir können nicht alte, bzw. veraltete Vorstellungen ins vielbeschworene "Informationszeitalter" übernehmen. Jede Einschränkung der neuen Möglichkeiten läuft letztlich auf "Desinformation" hinaus.

Top

Stop TCPA

  1. Die TCPA - ihre Ziele und Technologien
  2. Aspekte zu TCPA, Computer und Internet
  3. Meine Meinung
  4. Ergänzende Grafiken
  5. Internet und Evolution
  6. Schlußbetrachtungen

TR
Author & Publisher: Thorsten Reinicke - Karolinenstraße 1a - 20357 Hamburg - EU
Telefon: +49 40 - 66 87 58 39
Attribution - Noncommercial - No Derivative Works
CC 2003 – Some Rights Reserved – Creative Commons License

Kommentar zu diesen Seiten an: tr@thorsten-reinicke.eu (tr@thorsten-reinicke.eu)
Home: www.thorsten-reinicke.eu